Spieler-Taxonomien: Die Bartle-Typen 0
Dieser Artikel ist Teil einer Serie, die verschiedene Taxonomien von Computerspielern vorstellt. In dieser sollen verschiedene Modelle vorgestellt werden, wie man die Gruppe der Personen die Computerspiele spielen weiter unterteilen kann.
Die Bartle-Typen basieren auf dem Paper “Hearts, Clubs, Diamonds, Spades: Players Who Suit MUDs” von Richard Bartle. Das Paper entstand aus einer Diskussion zwischen langjährigen Spielern eines MUDs im Zeitraum von November 1989 bis Mai 1990. Darin diskutierten die Teilnehmer ihre Motivation, sowie ihre Ansprüche und Wünsche an ein MUD. Aus diesen Erkenntnissen leitete Bartle vier verschiedene Typen von Multiplayer-Spielern ab, die sich jeweils in ihrer Motivation (warum sie ein Spiel spielen) und in ihren Zielen (was sie erreichen wollen) unterscheiden:
- Achiever: spielen, “um zu gewinnen” und die vom Spiel vorgegebenen Ziele (möglichst gut) zu erfüllen
- Explorer: versuchen möglichst viel über das Spiel selbst, seine Welt, Mechaniken, etc. herauszufinden
- Socializer: spielen, um mit anderen zu kommunizieren, sich auszutauschen und zu vernetzen
- Killer: versuchen andere zu stören und stellen ihre eigenen Ziele über die des Spiels oder andere Spieler
Dabei sind die Bartle-Typen nicht eindeutig. Ein Spieler gehört wahrscheinlich mehreren Gruppen an – je nach Spiel, Stimmung oder Situation. Mit dem Bartle-Test können Spieler durch ein Frage-Antwort-Quiz ihren Bartle-Quotient bestimmen.
In seinem Paper werden die Typen mit ihren Eigenschaften sehr deutlich beschrieben und in Beziehung zur Spielwelt und deren Handlungen gesetzt. Dabei sagt Bartle, dass Achiever und Explorer vornehmlich mit der Spielwelt / dem System an sich interagieren, Socializer und Killer hingegen mit anderen Spielern. Auch schön ist die Betrachtung der Dynamiken der einzelnen Typen untereinander (“Was passiert, wenn Typ X in einer Gruppe vorherrscht?“).
In seinem Buch “Designing Virtual Worlds” erweitert Richard Bartle das Paper noch um eine soziale Betrachtung und um eine Zeitachse, wie sich die Typen mit der Zeit entwickeln.
Die Bartle-Typen sind weit verbreitet und stellen eine Art Standard im Bereich Massive Multiplayer Games (und damit auch PBBGs) dar. Der ursprüngliche Artikel ist definitiv empfehlenswert. Sein Buch sollte als Standardwerk über die Entwicklung virtueller Welten so wie so in jedem Regal von PBBG Designern / Entwicklern stehen.
