Jun4
Wenn mich von nun an jemand fragt was Game Design eigentlich ist, dann drücke ich ihm “Half-Real” von Jesper Juul in die Hand. Ja, es ist wirklich so gut.
Das erste Drittel des Buches dreht sich nur darum eine ordentliche Definition von “Spiel” zu finden. Damit sind nicht nur Computerspiele gemeint, sondern alle Arten von Spiele: Brettspiele, Sportspiele, Geschicklichkeits- und Denkspiele – egal ob real, virtuell, physikalisch oder imaginär. Es werden Definitionen aus der Vergangenheit diskutiert und zu einer Definition unifiziert.
Anschließend werden Spielformen untersucht. Mit dem Abgrenzen von “Spiel” werden gleichzeitig Grenzfälle aufgedeckt und ebenfalls beleuchtet. Insbesondere den Regeln und Mechaniken von Spielen wird viel Aufmerksamkeit gewidmet. Es wird gezeigt, wie verschiedene Spielformen auf Spieler wirken und welche Auswirkungen sie haben.
Und es geht noch weiter: das Buch regt an durch Veränderungen der Präsentation und Repräsentation unterschiedliche Effekte auf die Spieler zu bewirken. Das an sich hat mich schon meilenweit geflasht. Es ist etwas, was ich als Spieler in der Fantasie andauernd mit bekannten (langweiligen) Spielen mache, um sie für mich frischer (interessanter) zu gestalten. Dies gezielt einzusetzen wäre mir vor lauter Bäumen nicht eingefallen.
Fazit: Das ideale Buch um einem den theoretischen Hintergrund zu Game Design zu vermitteln. Man findet viel über das Thema, aber bisher habe ich noch kein so konsequent durchdachtes Material gesehen. Es ist keine Anleitung wie man Spiele entwickelt, sondern liefert das theoretische Grundgerüst dies zu tun.
Apr3
“Postmortem from Game Developers” ist genau das, was der Titel verspricht: die “Postmortem”-Kolumnen des Game Developer Magazins. Die Entwicklung von insgesamt 25 AAA-Spielen wird retrospektiv direkt von einem der Game Designer betrachtet und immer auf folgende Fragen eingegangen: Was lief gut? Was lief schlecht? Was war noch? Bei einigen Spielen wird zudem noch das Konzept erklärt und mehr auf die Umstände und das Team eingegangen.
Die Liste der Spiele verspricht dabei großes: Age of Empires, Diablo II, Unreal Tournament, Jak & Daxter, DAOC, Black & White und andere. Ebenso liest sich die Liste der Autoren wie ein Who is who: Peter Molyneux, Erich Schaefer, Matt Pritchard, Warren Spector, Brandon Reinhart und viele mehr.
Einfaches Fazit: lohnenswert. Es sind teilweise immer die gleichen Fehler (zu früher Launch, keine anständigen Test-Prozesse, ..), aber viele der tieferen Einblicke sind sehr lehrreich. Ein schöner Querschnitt über Projekte in der Spielebranche und sehr empfehlenswert.
Als p.s.: der Building Browsergames Blog interviewt ebenfalls Spieledesigner in Form von Postmortems zu ihren Spielen. Definitiv empfehlenswert.
Feb17
“This Gaming Life” von Jim Rossignol ist ein Buch von einem Gamer für Gamer. Es beginnt mit dem beruflichen Werdegang, dem Kontakt mit Computerspielen und der Neuausrichtung des Autors, als er von dem Medium verschlungen wird. Vielleicht ist das Buch sogar für Leute, die Gamer kennenlernen wollen. Sehen, wie sie ticken, was sie bewegt, was sie motiviert und welche Strömungen und Ausprägungen es gibt. Aber wahrscheinlich ist das Buch vor allem eine Möglichkeit für Jim Rossignol, seine Liebe zu dem ganzen Medium noch einmal in Worte zu fassen und seine über die Zeit gesammelten Gedanken zu ordnen.
Ich mag das Buch. Was wenig verwunderlich ist, denn ich mag die Kolumnen die Jim Rossignol für diverse Online-Magazine schreibt. Außerdem habe ich bisher kein Buch (oder auch nur Artikel) gesehen, welches EVE-Online so nahe an meiner eigenen Wahrnehmung beschreibt: liebevoll, realistisch, unnahbar und wunderschön. Und ich mag wie Jim zwar ambivalent, aber doch voller Zuversicht und Optimismus über das Medium “Computerspiele” schreibt.
Fazit: nicht nur für Gamer empfehlenswert.