Kategorie Literatur

MetaGame 0

Nov11

MetaGame von Sam Landstrom habe ich gleich zweimal hintereinander gelesen. Einmal als Roman und das zweite Mal, um die im Buch beschriebene Vision der Gesellschaft wirklich zu verstehen.

Das Buch spielt irgendwann in der Zukunft. Die Gesellschaft ist in sogenannten Familien organisiert, deren Mitglieder jedoch nicht klassisch verwandt sein müssen, sondern eher ein Mittelding zwischen einer Firma, MMO-Gilde und Religion sind. Alle werden von der sogenannten OverSoul regiert, einer künstlichen Intelligenz, die unter Aufsicht aller Menschen die Gesellschaft steuert und reglementiert. Der Wert eines Menschen definiert sich dadurch, wie gut er “das Spiel” spielt, was im Grunde gleichbedeutend ist mit: “wie gut er lebt”, wobei “gut” definiert ist als Erfüllung der von OverSoul anerkannten moralischen Kriterien. Einfach gesagt: das ganze Leben ist ein Spiel, bei dem die Regeln kontinuierlich den gesellschaftlichen Vorstellungen angepasst werden.

Das Buch begleitet D_Light, einen hochrangigen Spieler einer Familie, wie er seinen adligen Eltern bei der Erfüllung einer epischen Quest hilft. Übersetzung: der Hauptdarsteller, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird von den reichen und mächtigen Geschäftsführern seiner Firma als Berater zu einem Auftrag hinzugezogen.

Während die Geschichte ihren Lauf nimmt wird die fiktive Gesellschaft immer tiefer vorgestellt: was die Motivation für die Einführung von OverSoul war, auf welchen wissenschaftlichen Theorien diese Gesellschaftsform steht. Das Interessante dabei ist: diese Theorien sind tatsächlich erschienene Bücher und Paper, so dass diese Science Fiction Gesellschaft eher wirkt wie eine Vision, ein konsequent weitergedachter Versuch diese Theorien in den Alltag zu übertragen. Und das ist spannend. Vielleicht nicht vollständig realistisch, aber darum ging es bei 1984 ja auch nicht. Aber das Buch stellt interessante Fragen zu Identität, Moral, Motivation und letztendlich Menschlichkeit.

Fazit: Empfehlung für SciFi-Fans, Doppelte Empfehlung für Leute, die sich mit Game Design und Gamification beschäftigen.

Game Design – Konzeption eines fiktiven Strategiespiels 2

Okt12

gd_konzeption_fiktives_strategiespielBei dem Buch handelt es sich laut Amazon-Beschreibung um eine “Seminararbeit aus dem Fachbereich Informatik – Sonstiges, Benotung: 1,0, Hochschule Offenburg (Medien und Informationswesen), Veranstaltung: Konzeption von Computerspielen“. Was man bekommt sind 29 Seiten mit Text, Tabellen und Illustrationen. Ich streiche hiermit “Buch” und setze “Heft”.

Das Heft beschreibt das Konzept für ein Strategiespiel, basierend auf Hexgrids oder “Wabenstrategiespiel” wie es der Autor nennt. Als Vorbild wird Battle Isle genannt. Das Spiel soll allerdings rundenbasierte Wabenstrategie mit Echtzeitstrategie verbinden: “Eine sinnvolle Kombination von Waben- und Echtzeitstrategie bietet daher einen vielversprechenden Ansatz für ein Strategiespiel.”

Ein bischen schade ist, dass der Autor anscheinend kaum Recherchen betrieben hat. Zunächst einmal ist Battle Isle mitnichten der Begründer des Hexgrid-Genres, wie im Heft behauptet. Darüber hinaus erfreut sich die beschriebene Kombination aus rundenbasierter und Echtzeitstrategie schon seit mindestens 2000 großer Beliebtheit – in Form der populären “Total War”-Serie.

Davon abgesehen folgt ein kurz gehaltenes, aber umfangreiches Spielkonzept. Ablauf, Setting und Spielelemente werden verständlich erklärt. Die Illustrationen sind Marke “Bleistiftgekritzel”, erfüllen aber ihren Zweck.

Die spannende Frage bei allen Spielekonzepten lautet: könnte ich das Spiel nach dem Durchlesen bauen? Antwort: im Prinzip ja. Ich hätte mir aber gewünscht, dass die Startbedingungen des strategischen und taktischen Modus, sowie deren spielmechanischen Abläufe etwas ausführlicher beschrieben wären. Das Verhalten der Spielelemente war zwar beschrieben, allerdings selten bemessen. Eine Auflistung der einzelnen Attribute der Spielelemente wäre ebenfalls hilfreich gewesen.

Fazit: das Heft enthält ein nettes, ausbaufähiges Konzept. Meiner Meinung nach sind 14,99€ für das Gebotene aber etwas zu hoch gegriffen. Insbesondere da genug freie Alternativen (z.B. bei Gametheory) im Netz verfügbar sind.

The Art of Game Design 0

Jun6

the_art_of_game_designIn Anlehnung an die letzte Buchvorstellung: wenn mich von nun an jemand fragt wie Game Design eigentlich funktioniert, dann drücke ich ihm “The Art of Game Design” von Jesse Schell in die Hand.

Im Prinzip setzt das Buch genau da an, wo Jesper Juul aufgehört hat: es ist die praktische Anleitung, wie man Spiele entwirft. Nicht die Umsetzung wohlgemerkt, sondern das eigentliche Game Design. Das Buch beginnt natürlich auch mit der Theorie, die jedoch im Gegensatz zu Jesper Juuls Buch lange nicht so ausführlich und tiefgehend ist. Wer “Helf-Real” bereits gelesen hat, der kann sich die ersten 9 Kapitel sparen. Ansonsten geht der Grundkurs in Ordnung.

Einmal aus der Theorie heraus liefert Scholl ein sehr solides und erstaunlich praxisnahes Grundgerüst, an dem man sich orientieren kann. Er bedient sich dabei sogenannten “Linsen”, die man als Checklisten oder als Inspirationskarten nutzen kann, um so eigene Konzepte zu testen und zu verfeinern. Die meisten Teilbereiche werden an anschaulichen Beispielen erklärt oder nachvollziehbar hergeleitet.

Dazu kommen noch hilfreiche Illustrationen, Schaubilder und eben viele Praxisbeispiele. Auch wenn es nicht direkt so geschrieben wurde, ließt sich das Buch fast wie ein Workshop.

Fazit: ein praktisches Buch, das einem viel Anregungen und Handwerkszeug liefert, um seine Game Designs und Konzepte zu verbessern und zu verfeinern. Für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen zu empfehlen.

Danke an Jurie Horneman für den großartigen Lesetipp.

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