Gedanken zu Twitter-Spielen 1
Also na schön. Wenn man so direkt darauf angesprochen wird, hier mein Take zu Twitter-Spielen.
Was ist Twitter?
Hier die Definition auf Wikipedia: “Twitter ist ein soziales Netzwerk und ein auf einer Website oder mobil per Mobiltelefon geführtes und meist öffentlich einsehbares Tagebuch im Internet (Mikro-Blog)”. So kann man es erklären, aber es zeigt noch nicht die vielen Implikationen auf. Twitter zu Blogs ist eher wie Email zu SMS: schneller, to the point und wesentlich aktueller.
Hier ein paar Eigenschaften von Twitter:
- Schnell: Die maximale Länge eines “Tweets” ist 140 Zeichen. Einfach tippen, absenden, fertig.
- Aktuell: Dadurch schreibt man über Dinge, die gerade im Moment passieren.
- Ambient: Twitter Clients gibt es für eine Vielzahl von mobilen Endgeräten. Twitter begleitet den Nutzer durch den Tag und umgekehrt wird man über den Tag von anderen informiert, wenn man deren Tweets liest.
- Eher Protokoll als Social Network: Es ist offen für eigene Applikationen und Anwendungen rund um den Dienst.
So, und wie spielt man nun in (und mit) Twitter?
Was im Moment passiert
Durch die oben beschriebenen Eigenschaften kommt man schnell zu folgendem Schluss: Twitter fügt sich schön in AR-Spiele ein: ein schnelles Medium, das viele Leute direkt durch den Alltag begleitet.
Dummerweise: Bei Alternate Reality Games fällt den Machern meistens nichts kreativeres ein als der übliche “eine unbekannte Macht stellt verschlüsselte Nachrichten ins Netz und die Spieler müssen herausfinden, was das soll”-Blödsinn. Außerdem werden AR-Games wie es scheint hauptsächlich von Agenturen auf der Suche nach einem schnellen Marketing-Hype gemacht, anstatt von Spieledesignern auf der Suche nach neuen Spielfeldern. Und so kommt dann halt ein Twitter-Spiel wie Terminator 4 zustande. Na schön, im Fall von T4 ist die “Macht” im Spiel bekannt, aber es ist dennoch nicht besonders ansprechend. Das ist jedoch nicht schlimm, denn das Spiel den Zweck erfüllt: Marketing. Gutes Game Design stand hier nie hoch auf der Feature-Liste.
Und dann wäre da noch Spymaster. Eigentlich ist die Idee ganz nett Eigenschaften der Plattform als Grundlage für bestimmte Features zu nutzen: Follower und so weiter. Probleme entstehen nur, wenn man dann bei der Ausführung an der Kommunikationsstruktur der Plattform vorbei arbeitet. Im Falle von Spymaster wären das die unsäglich nervenden Statusnachrichten von Spielern, die keinen interessieren. Und das ist ein großes Problem.
Twitter ist ein Kommunikations-Kanal. Ich sende darüber meine Nachrichten an alle. Mit folgen Leute auf Twitter, weil sie an meinen Nachrichten interessiert sind. Wenn ein Spiel (oder sonst etwas) automatisierte Nachrichten über meinen Kanal verbreitet, so ist das a) Spam und b) wird dieser über meinen Kanal gesendet. Da sich die wenigsten Leute für Spam interessieren, werden sie aufhören mir zu folgen. Ich erreiche mit meinen eigenen Nachrichten weniger Leute.
Ich würde nie ein Spiel spielen, das solche Konsequenzen hat. Ok, streicht das, aber Whopper Sacrifice machte das zu einer bewussten Spielmechanik und nicht zu einem unerwünschten Seiteneffekt.
Wo könnte es hingehen?
Also, Twitter ist ein Kommunikationskanal. Also wie wäre es mit Spielen, die auf Kommunikation beruhen? Das muss noch nicht einmal kompliziert sein:

Fertig ist das Twitter-Spiel: Simpel, ansteckend und sinnvoll im Rahmen der Plattform. Und es funktioniert. Ok, es basiert natürlich auf einem analogen Vorbild, aber wieso auch nicht?
Etwas weiter gedacht: Twitter ist ein Kommunikationskanal für viele Leute. Wie wäre es mit Spielen, welche die Menge der Mitspieler ausnutzen? Ich kann mir vorstellen, dass Twitter gut geeignet ist für Human Computing-Ansätze. Beispiel: “WhatIsThisPicture” postet ein Link zu einem Bild. Jeder muss beschreiben, was auf dem Bild zu sehen ist, darf jedoch nur 3 (5) Begriffe nennen. Punkte bekommt man für für Übereinstimmung mit den anderen Spielern, aber auch für Schnelligkeit (damit man nicht immer wartet und nur wiedergibt, was andere schreiben). Nebenbei vertaggt man noch Bilder damit.
Noch weiter gedacht: Twitter ist ein Kommunikationskanal für viele Leute, die miteinander Dialoge führen. Spielerische Dialoge? Oh, da fallen mir so einige Stichworte ein: “Wortspiele”, “Erzählungen” und “Rätsel”. Aber auch so Dinge wie: “Flirts”, “Gerüchte” oder “Rickrolls”. Wie wäre es mit einem Spiel, in dem man Gerüchte streut: man gibt “MyRumor” die ID seines Tweets und das Spiel vergibt für Retweets und Replies entsprechend Punkte.
Und wer sagt eigentlich, dass Twitter nur im Rahmen für Twitter-Spiele interessant ist? Wieso kann Twitter nicht auch als Kommunikationsplattform für Spieler eines externen Spiels dienen?
Mein Take zu spielen mit und in Twitter? Wir kratzen im Moment nur an der Oberfläche. Aber da geht noch mehr. Im Moment machen wir nur “the same old shit”, nur eben diesmal eben in Twitter. Interessant wird es, wenn Spiele kommen, die Twitter sinnvoll nutzen und dessen Stärken ausspielen. Wie auch immer diese aussehen mögen.
[...] einiger Zeit köcheln bei mir Ideen für Twitter-basierte Spiele auf dem Herd. Wie bereits erwähnt glaube ich, dass die aktuellen Twitterspiele nur erste Gehversuche sind. Wo es hingehen wird weiß [...]