Verwaltungs-Tools 0
An einem hakt es meistens: den Verwaltungs-Tools. Stellen wir uns folgendes vor: Ihr habt also ein MMO-Browsergame auf die Beine gestellt. Das Spiel läuft gut an, es sind bereits 2000 Spieler registriert und nun kommen täglich die Mails im Stil von: “Kannst du meinen Nicknamen ändern?”, “Spieler XY ist ein Cheater!”, “Ich habe 100 Credits verloren! Das war ein Bug!” oder auch: “Ich habe versehentlich mein Ultimatives Schwert der Verdammnis weggeworfen. Kann ich es wiederhaben?”. Mit solchen (oder ähnlichen) Anfragen muss man einfach rechnen. Und auf eins könnt ihr euch verlassen: Die Spieler werden verdammt kreativ sein,
Dinge anzustellen.
Nun, im Grunde lassen sich solche Fragen direkt auf der Datenbank beantworten. Irgendwo in ihr steckt die Wahrheit, die ihr (hoffentlich!) brav mitprotokolliert. Der Supporter (sehr wahrscheinlich ihr selbst) muss nun also in der Datenbank nachschauen: “Wo ist der Nutzer mit dem Usernamen? Aha, .. UPDATE user SET…”, “Wo ist Spieler XY? Was hat der so gemacht? SELECT * FROM …” und so weiter. Viel Arbeit, aber vor allem: sehr fehleranfällige Arbeit. Wenn bei einem einzigen UPDATE die Begrenzung vergessen wird, oder bei einem DELETE, dann sitzt man in der Patsche. Vielleicht hat man Backups, ja, aber man muss die Spielwelt komplett zurückdrehen. Und es gibt wenig, was Spieler mehr hassen, als einen Reset der Spielwelt auf einen älteren Stand. Mal abgesehen davon: man muss die ganzen Anfragen der Spieler noch einmal von vorne durchgehen.
Na gut, sagen wir, ihr seid die absoluten SQL-Gurus und euch passiert das garantiert niemals. Habt ihr das gleiche Vertrauen auch in eure anderen Supporter? Oder denkt ihr, wenn euer Spiel ein Erfolg wird, dass ihr bei 5000 Spielern noch alles alleine supporten könnt – so nebenbei, während ihr die Updates und Bugfixes programmiert und euch um das neue Affiliate-Programm bemüht? Eher nicht.
Die Lösung lautet: Tools. Schreibt euch für die alltäglichen Aufgaben eine Administrationsoberfläche, mit der ihr diese bequem ausführen könnt. Und wenn ihr die Oberfläche konzeptioniert, denkt an Zugänge für Supporter. Plant das Tool so, dass auch technisch weniger bedarfte (sprich: keine SQL-Gurus und am besten auch keine Programmierer) die Support-Anfragen bewältigen können. Beispiel:
Hier seht ihr einen Ausschnitt der von uns verwendeten Administrationsoberfläche für unser Framework. Wichtig ist die einfache Bedienbarkeit und vor allem, dass man mit Hilfe des Tools auch den Löwenanteil der Supportanfragen klären kann. Welches so die üblichen Anfragen sind kann man eigentlich aus dem Forum jedes beliebigen Online-Spiels entnehmen.
Im Grunde sind sich die Anfragen alle ziemlich ähnlich und entstammen aus einer dieser Kategorien:
- Gegenstand verloren/ gelöscht: es muss nachvollziehbar sein, wer welchen Gegenstand hatte und wo er hingekommen ist. Je nach Einstellung sollten Gegenstände vom Support wiederhergestellt werden können.
- Gegenstand “verschwunden”: Das ist eventuell eine Ausrede für oben genannte Frage, aber eventuell auch ein Hinweis auf einen Bug.
- Spieler XY cheatet: Hat der Spieler auffällig mehr Ressourcen oder eine Ahnzahl von Ressourcen in auffällig kurzer Zeit erworben? Wenn ja: wie?
- Benutzerdaten ändern: Einen Nutzernamen, Nicknamen etc. ändern, sofern das in der Spieloberfläche direkt nicht möglich ist.
Eine Kategorie von Supportmeldungen soll das Administrationstool allerdings nicht abdecken: Fehler im Spiel. Diese sollen immer an die jeweiligen Programmierer weitergeleitet und dort untersucht werden.
Ein Tipp noch zum Schluß: das Administrationstool sollte geschrieben werden, bevor oder spätestens während ihr das eigentliche Spiel entwickelt, auf jedenfall aber vor der Veröffentlichung. Wieso? Ganz einfach: sobald ihr einmal in der Beta-Phase seid (oder gar Release) werdet ihr schlicht und ergreifend keine Zeit mehr für ein solches Tool haben. Never ever. Ihr steht dann vor der klaren Entscheidung: das Spiel wird für X Wochen nicht weiterentwickelt, keine Bugfixes, nur nötigster Support, während ihr an dem Tool arbeitet oder einfach “irgendwie weiter machen”. Das ist in Wirklichkeit gar keine Entscheidung, denn in ersterem Fall wird euer Spiel in der Zwischenzeit auseinanderfallen.
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